Ein kurzer Austausch zwischen Hausarzt und Psychotherapeut, eine Rückfrage in der Apotheke oder eine schnelle Abstimmung im eigenen Team: Der TI-Messenger (TIM) soll die Kommunikation vereinfachen, sowohl zwischen BehandlerInnen als auch mit den Kassen und in der Patientenkommunikation. Als chatbasierte Anwendung innerhalb der Telematikinfrastruktur ergänzt TIM die E-Mail-Kommunikation via KIM um einen sicheren, datenschutzkonformen Echtzeitkanal für kurze Rückfragen und Abstimmungen im Praxisalltag.
Welchen Funktionsumfang hat der TI-Messenger?
Aktuell unterstützt der TI-Messenger den Versand von Textnachrichten, Bildern, Sprachnachrichten und Dateien, in Einzel- und Gruppenchats sowie den gleichzeitigen Versand von Nachrichten an mehrere Empfänger (Broadcast-Funktion). Die Nutzung ist auf Desktop, Tablet und Smartphone möglich – je nach Anbieter über eine eigenständige App, einen Webclient oder eine Desktop-Anwendung.
Funktionen wie Audio- und Videochat beziehungsweise die Einbindung in Videosprechstunden werden diskutiert, gehören aber derzeit nicht zum regulären Funktionsumfang.
Wer kann TIM nutzen?
TIM ist ein sektorenübergreifender Kommunikationsdienst, der alle Akteure im Gesundheitswesen miteinander verbinden soll, über Praxis-, Klinik- und Institutionsgrenzen hinweg, u.a. niedergelassene ÄrztInnen sowie ÄrztInnen in Kliniken, ApothekerInnen, PsychotherapeutInnen, Krankenkassen, Gesundheitsämter und medizinisches Fachpersonal.
Auch Versicherte sollen perspektivisch über TIM mit Praxen und Krankenkassen kommunizieren können. Die Umsetzung ist in verschiedenen Ausbaustufen geplant.
Ist TIM Pflicht?
Für Praxen ist die aktive Nutzung von TIM derzeit freiwillig. Krankenkassen stellen den TI-Messenger seit Juli 2025 schrittweise im Rahmen der ePA-App bereit. Für psychotherapeutische Praxen ist nach aktuellem Stand keine Honorarkürzung allein wegen Nichtnutzung des TI-Messengers vorgesehen. Davon zu unterscheiden sind die allgemeinen Nachweispflichten für TI-Anwendungen im Rahmen der TI-Pauschale.
Wer bietet TI-Messenger an?
Jede Praxis kann (analog zu KIM) einen zertifizierten Fachdienstanbieter ihrer Wahl nutzen. Alle TI-Messenger sind interoperabel und basieren auf dem offenen Matrix-Protokoll – einem international erprobten Standard für sichere, dezentrale Echtzeitkommunikation. Unabhängig davon, welchen TIM-Anbieter eine Praxis wählt, ist die Kommunikation mit allen anderen TIM-Nutzenden möglich – ähnlich wie es bei E-Mails keine Rolle spielt, welches E-Mail-Programm Sender und Empfänger nutzen.
Die gematik bietet eine Übersicht aller zugelassenen TIM-Anbieter.
Wie ist die TIM-Roadmap geplant?
TIM ist die Messenger-Plattform innerhalb der Telematikinfrastruktur. Je nach Nutzergruppe und Anwendungsszenario wird es innerhalb der Messenger-Struktur verschiedene Varianten geben.
TI-M Pro richtet sich an Gesundheitseinrichtungen und ermöglicht die sichere Kommunikation zwischen Ärzten, Psychotherapeuten, Kliniken, Apotheken, Pflegeeinrichtungen und weiteren Akteuren im Gesundheitswesen. TI-M Pro ist seit 2024 verfügbar und wird kontinuierlich weiterentwickelt.
TI-M ePA ermöglicht die Kommunikation zwischen Versicherten und Praxen sowie zwischen Versicherten und ihrer Krankenkasse. Der Zugang für Patientinnen und Patienten erfolgt über die ePA-App der jeweiligen Krankenkasse. Seit Juli 2025 wird TI-M ePA schrittweise über die ePA-Apps der Krankenkassen bereitgestellt. Ob Versicherte mit einer Praxis kommunizieren können, hängt davon ab, ob die jeweilige Praxis TIM anbietet und entsprechende Kommunikationswege freigibt.
TI-M Connect soll den TI-Messenger über Schnittstellen in Drittsysteme integrierbar machen – etwa in Praxisverwaltungssysteme (PVS), digitale Gesundheitsanwendungen (DiGA), Patientenportale oder Terminbuchungsplattformen.
Wie funktioniert TIM?
Alle zugelassenen TI-Messenger greifen auf ein gemeinsames bundesweites Adressverzeichnis zu (den VZD-FHIR-Directory-Verzeichnisdienst). Darüber lassen sich die Kontaktdaten von Arztpraxen, Kliniken, Apotheken und anderen Gesundheitseinrichtungen finden.
Die Kommunikation erfolgt über zugelassene TI-Messenger und ist durch die gematik-Spezifikationen besonders abgesichert; Ende-zu-Ende-Verschlüsselung ist dabei ein zentraler Sicherheitsmechanismus. Nur Sender und Empfänger können die Nachrichten lesen – weder der Anbieter noch Dritte haben Zugriff auf die Inhalte. Je nach Anbieter und Einsatzszenario können serverseitige Lösch- oder Aufbewahrungsregeln vorgesehen sein. Die konkrete Ausgestaltung ist nicht einheitlich; Nutzerinnen und Nutzer müssen über automatische Löschfunktionen informiert werden.
Für die Einrichtung müssen Institution oder Person authentifiziert werden. Dies kann je nach Anbieter beispielsweise über eine KIM-Adresse mit Bestätigungscode oder über eine Authenticator-Lösung mit SMC-B erfolgen. Für die individuelle Kommunikation kann zusätzlich ein eHBA erforderlich sein.
TIM vs. KIM – Abgrenzung der Kommunikationswege
KIM und TIM ergänzen sich und decken unterschiedliche Kommunikationsbedürfnisse ab:
KIM eignet sich für die formelle, dokumentenbasierte Kommunikation, etwa den Versand von eArztbriefen, eAU oder anderen Dokumenten, die eine qualifizierte elektronische Signatur erfordern. KIM funktioniert wie eine E-Mail.
TIM ist für die schnelle Kommunikation gedacht – also für kurze Rückfragen, organisatorische Abstimmungen oder den informellen Austausch zwischen Kolleginnen und Kollegen. TIM funktioniert wie ein Chat-Messenger.
Relevanz für psychotherapeutische Praxen und psyprax
TIM ist für psychotherapeutische Praxen freiwillig. Eine Integration in psyprax ist derzeit nicht vorhanden.
Gut zu wissen: Die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) hat zum 1. Quartal 2026 ein verpflichtendes Feld in der Abrechnungsdatei eingeführt, um zu übermitteln, ob TI-Fachanwendungen wie der TI-Messenger unterstützt und genutzt werden. Eine rote Anzeige bedeutet lediglich, dass die Funktion TIM aktuell nicht aktiviert ist. Wir halten Sie über die weitere Entwicklung auf dem Laufenden.
Weitere Informationen:
Fachportal der gematik: https://www.gematik.de/anwendungen/ti-messenger
Aktuelle Daten zur Nutzung von TI-Anwendungen (TI-Dashboard): https://www.gematik.de/telematikinfrastruktur/ti-dashboard
(Stand: Juni 2026)